In einer Podcast-Folge von lieber lieben durfte ich mit Frauke sprechen – und dieses Gespräch hat mich tief bewegt. Frauke hat in kurzer Zeit das Unvorstellbare erlebt: den Verlust ihres Mannes und kurz darauf die Diagnose Brustkrebs. Eine Mastektomie ohne Wiederaufbau. Und dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – strahlt sie eine Lebendigkeit aus, die mir noch lange nachklingt.
Was Frauke beschreibt, kenne ich aus meiner therapeutischen Arbeit: Diese Momente, in denen das Leben uns in die Knie zwingt und wir glauben, nicht mehr aufstehen zu können – und genau dort, in dieser absoluten Dunkelheit, liegt oft das tiefste Potenzial zur Veränderung.
3,5 Monate an der Grenze zum Tod – und das Geschenk des bewussten Abschieds
Frauke beschreibt die Zeit des Abschiednehmens von ihrem Mann nicht nur als Verlust, sondern auch als ein Geschenk. Volle 3,5 Monate gemeinsam, mit Bewusstsein, mit Liebe. Wie selten haben wir diese Möglichkeit. Das erinnert mich daran, wie wichtig es ist, im Kontakt zu bleiben – mit uns selbst, mit denen, die wir lieben – noch bevor das Leben uns dazu zwingt.
Frauke erzählt auch davon, wie sie Lust und Körperlichkeit neu entdeckt hat – ohne Brüste, aber nicht ohne Empfindungsfähigkeit. „Soul-Sex” nennt sie es. Das ist kein esoterisches Konzept für mich, sondern etwas, das ich therapeutisch immer wieder beobachte: Wenn wir aufhören, unseren Körper zu bewerten, und anfangen, ihn zu bewohnen, öffnet sich etwas. Körperbild und Selbstliebe sind keine oberflächlichen Themen – sie sind zentral für unser Erleben von Nähe und Verbindung.
Gold im Schlamm
Das Bild, das Frauke mitbringt, ist : im tiefsten Schlamm liegt Gold. Das ist kein Versprechen, dass Schmerz sich lohnt. Es ist eine Einladung, hinzuschauen – statt wegzulaufen. Genau das ist der Kern meiner Arbeit: nicht die Krise zu managen, sondern zu erforschen, was sie uns über uns selbst und das Leben zeigt.
